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Ein großes Flehen und Bitten erhob sich unter dem gemeinen Pöbel.

Warum man so lange zusehe dass die Zauberer und Unholde die Früchte sogar verderben.

So hat ihre fürstliche Gnaden verursacht solches Übel abzustrafen.

Hexenverfolgung

Die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit.

Als ich mich im Zuge meiner Recherchen zu meinem Stück näher mit der Hexenverfolgung beschäftigt habe, wurde mir sehr schnell klar, wie falsch mein Bild über diese Epoche war. Bis zu diesem Zeitpunkt war für mich die Hexenverfolgung ganz klar, eine Sache der Kirche, der katholischen Kirche um genau zu sein. Betroffen waren nur Frauen mit meist roten Haaren, die Kräuter und Pilze zu magisch, okkulten Salben verarbeiteten um sie ans Volk zu verkaufen.
Die Realität jedoch war eine gänzlich andere. Nach dem Studium verschiedenster Expertenliteratur und Dokumentationen hat sich mein Blick auf jene Zeit komplett gewandelt.
Dr. Rita Voltmer von der Universität Trier ist anerkannte Expertin auf diesem Gebiet. In einer Wissenschaftlichen Abhandlung hat sie sich mit den Fehlsichten zum Thema Hexenverfolgung beschäftigt. Die Quintessenz zu Ihrem Artikel lesen Sie nachfolgend.

Vom getrübten Blick auf die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen

Erste Fehlsicht: „Die Hexenverfolgungen fanden im ‚finsteren' Mittelalter statt“.
Einsicht: Die Hexenverfolgungen sind eindeutig vor allem ein Phänomen der Frühen Neuzeit und beruhen auf einem, in den Köpfen von Theologen erfundenen und von der Gerichtspraxis scheinbar bestätigten Konstrukt.  

Zweite Fehlsicht: „Die Kirche, besonders die Inquisition, hat die Hexenverfolgungen betrieben“.
Einsicht: Die Hexereiverfahren der Frühen Neuzeit sind in ihrer absoluten Mehrzahl von weltlichen Gerichten nach Maßgabe des zeitgenössischen Strafrechts als legale Prozesse geführt worden.

Dritte Fehlsicht: „Während der Hexenverfolgungen sind 9.000.000 Menschen hingerichtet worden”.
Einsicht: Die kritische Quellenanalyse und Forschung zeigt, dass es europaweit ungefähr 50.-60.000 Hinrichtungen gegeben hat, wobei die Konfession der Gerichtsherren für die latente Bereitschaft, Hexenprozesse zuzulassen beziehungsweise zu führen, offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielte. Auch ohne populistische Übertreibungen kann ausdrücklich festgehalten werden, dass die Hexenprozesse „… eine der schlimmsten von Menschenhand angerichteten Katastrophen der europäischen Geschichte“ (Behringer/Jerouschek) waren.

Vierte Fehlsicht: „Opfer der Hexenverfolgungen wurden nahezu ausnahmslos Frauen, darunter viele Hebammen und Heilerinnen“.
Einsicht: Obwohl dies Mär heute immer noch in unkritischen (Print)medien klischeehaft verbreitet wird, gehörten Hebammen und Heilerinnen nicht zu den bevorzugten Opfern der Hexenjagden.

Meine „neuen“ Erkenntnisse zu diesem Thema werden jedoch nicht nur von Frau Dr. Voltmer gestützt, nein die gesamte wissenschaftliche Forschung ist sich in großen Zügen einig. Anerkannte Experten wie Prof. Wolfgang Behringer Uni Saarbrücken, Dr. Rainer Decker Uni Paderborn, Prof. Dr. Dr. Günter Jerouschek Uni Jena zeichnen das gleiche Bild.

In den allermeisten Fällen ging die Initiative eine Hexenverfolgung zu betreiben vom Volk selbst aus. Nichts Mystisches ist zu finden in den Schicksalen jener Menschen die dem Hexenwahn zum Opfer fielen. Unser modernes Hexenbild ist eines von den Gebrüdern Grimm gespeistes Zerrbild.   

Jürgen Clever (Buch und Regie)

• Rita Voltmer LINK auf den Gesamtartikel fowid.de/fileadmin/textarchiv/Voltmer_Rita/Hexenverfolgungen_TA2006_12.pdf

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